IVU Kundentage Frühjahr 2026

Transformation, Tiefenintegration und KI-Praxisnutzen: die IVU-Kundentage

Martin Sommer und Caspar Schmeling im Austausch mit den Teilnehmenden des IVU Kundentages in Hamburg.
Martin Sommer und Caspar Schmeling im Austausch mit den Teilnehmenden des IVU Kundentages in Hamburg

Mit der Einführung der BDEW-API im Rahmen des 24h-Lieferantenwechsels schlägt die Marktkommunikation (MaKo) einen neuen technologischen Weg ein. Künftig erfolgt ein Teil der Marktkommunikation über eine moderne API-Lösung – ganz ohne klassische EDIFACT-Nachrichten. Dies betrifft zunächst nur den so genannten vorgelagerten Prozess der MaLo-Identifikation.

Wichtig: Diese Umstellung betrifft zunächst ausschließlich den Strombereich. Für Gas bleibt vorerst alles beim Alten – eine Übertragung des Verfahrens auf den Gasmarkt ist aber perspektivisch vorgesehen.

Die gesetzlichen Vorgaben für den 24-LW Gas sind für viele Akteure im Markt überraschend. Die regulatorische Schere zwischen Strom und Gas wird durch die im Gas nicht anzuwendende Malo-Identifikation wieder etwas größer. So ist die Umsetzung des 24-LW Gas defacto schon seit Januar 2026 aktiv und wird nur durch die Anpassungen der Fristen der bestehenden Prozesse zum Lieferantenwechsel konkretisiert.

Während die GeLi Gas 3.0 u.a. den Abschluss eines neuen MSB-Rahmenvertrags bis zum 01.10. notwendig macht, gibt es bei der GeLi Gas 2.0 weitreichende prozessuale Änderungen, die sich vornehmlich auf die systeminternen Ablaufdiagramme und weniger auf die Abläufe oberhalb der Anwendung auswirken. Inhaltlich geben die Prozesse jetzt u.a. die Möglichkeiten her auch Gaszähler an die Funktionalitäten der intelligente Messsysteme heranzuführen.

Mit der im Oktober anstehendenden Formatanpassungen im Rahmen der WiM 2.0 wird die digitale Transformation weiter vorangetrieben: Der Wechsel des MSB wird vereinfacht, IMS werden besser integriert, die Marktkommunikation wird stärker standardisiert und die Abstimmung mit anderen MaKo-Prozessen geht tiefer.

Christian Enste gibt Einblicke in die aktuellen Themen
Christian Enste gibt Einblicke in die aktuellen Themen
Caspar Schmeling berichtet über Neuerungen
Caspar Schmeling berichtet über Neuerungen

Die Ausgestaltung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung ist für die Versorgungsunternehmen strategisch wichtig, da vor allem Wohnungsgesellschaften in diesen Bereich hineindrängen werden. Aktuell fehlen jedoch noch Vorgaben seitens der BNetzA, wie die gGV in der Marktkommunikation umzusetzen ist. Dies gilt ebenfalls für das Energy Sharing. Hier gibt es jedoch klare Pflichten: Der Netzbetreiber muss eine Umsetzung des Energy Sharing ermöglichen.

Beim Ausblick auf die nächsten Jahre ist zum einen die regulatorische Sicht wichtig. Auf dem Weg zum MaKo Zielbild für 2032 sind die Einführung einer HUB-Infrastruktur und die Umsetzung des Energy-Sharing die entscheidenden Meilensteine. Technologisch wird Wilken die P/5 und ENER:GY sukzessive weiterentwickeln. So stehen die Themen Datenbank und SaaS ready als nächster technologischer Sprung bereits in den Startlöchern.

Die Planung zur Umstellung auf GY Utility reicht weit bis über 2030 hinaus. In der Welt der Lösungsplattform GY wird es nur noch um Prozesse gehen. Aus Sicht der IVU wird GY dann einzusetzen sein, wenn der Querverbund integriert ist.

Volles Haus beim IVU Kundentag in Hamburg
Volles Haus beim IVU Kundentag in Hamburg
Zeit für Austausch in den Pausen
Zeit für Austausch in den Pausen

Die Verwaltung von Baukostenzuschüssen, etwa für Netzanlagen, erfolgt oft manuell im ERP-System oder extern über Excel-Listen. Dies kann zu Fehlern führen oder, bei Einsatz von Makros, aus IT-Sicht Sicherheitsrisiken bergen. Durch die Nutzung des entsprechenden Fakturierungs- und Passivierungsprozesses in der P/5 werden die Mitarbeiter im Zuge des Jahresabschlusses deutlich entlastet. Die Auskunftsmöglichkeiten sind wesentlich besser und die klare Zuordnung von Baukostenzuschüssen zu Anlagengütern schafft nachhaltige Rechtssicherheit.

Zum Thema Anlagenbuchhaltung und Auftragswesen ist ein neuer Arbeitskreis geplant. Zur CLS-Integration liegt eine von den Stadtwerken Quickborn zusammen mit Becker Büttner Held entwickelte Leistungsbeschreibung vor. Da Wolfgang Kleinekathöfer als Geschäftsführer ausscheidet, wird ab 2027 jemand anderes die Leitung übernehmen. Maximilian Grimm ist als Vorschlag benannt, die Wahl wird auf der Mitgliederversammlung am 04. Und 05. November 2026 stattfinden.

Die Zeit ist reif, um den CLS-Rollout einfach zu machen. Mit den Lösungen von IVU und MeterPan steht der technischen Umsetzung nichts mehr im Wege. Im Blick auf die künftigen Anforderungen lohnt es sich insbesondere, Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln – etwa bei der Frage, welche Geräte gut zusammen funktionieren und welche nicht.

Die Tiefenintegration der Systeme, die IVU und MeterPan planen, erweist sich spätestens dann als unabdingbarer Vorteil, wenn ein regelhafter Rollout der Geräte beginnt. Denn eine manuelle Bearbeitung würde schnell einen exponentiell wachsenden Aufwand erzeugen. Gerade im Hinblick auf die Erfüllung der Quoten ist zu beachten: Der bloße Einbau der Steuerbox reicht nicht – sie muss vollständig implementiert, beim MSB in das System integriert und betriebsbereit sein. Der jährlich anfallende Steuerungs-TÜV macht darüber hinaus revisionssichere Dokumentation und automatisierte Testprozeduren notwendig.

In der aktuellen Entwicklungsphase sieht die IVU ein hohes Potenzial, um gemeinsam mit den Versorgungsunternehmen KI-Prozesse zu erarbeiten und Mitarbeitende mitzunehmen. Bei den zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten lässt sich ein entscheidender Vorsprung sichern, wenn man jetzt einsteigt. Die IVU hat deshalb mit der Plattform IVU.KIConnect die Grundlagen gelegt, um KI DSGVO-konform und mit sicheren, transparenten Datenströmen zu integrieren. Auf dieser Basis können KI-gestützte Workflows im KIC aufgesetzt werden. Schritt für Schritt werden von der IVU E-Mail-, Chat-, Telefon- oder BI-Dienste entwickelt und integriert. Auch KI-Dienste von Drittanbietern werden über IVU.KIConnect verfügbar sein. So kann KI bereits heute ihr Potenzial entfalten, eine Brücke zwischen komplexer werdenden Prozessen und zu entlastenden Mitarbeitern zu sein.

Mit dem KI-Assistenten GY:PT verfolgt Wilken Group ebenfalls die Strategie, Nutzen und Mehrwert von KI in den Versorgungsunternehmen schrittweise verfügbar zu machen. GY:PT bietet stetig wachsende Wissensräume, in denen Informationen und Kenntnisse, die heute in Systemen und Köpfen verstreut sind, verfügbar gemacht werden – und zwar inklusive Quellenangaben, um Überprüfbarkeit zu gewährleisten. Eines der wichtigen Prinzipien ist dabei, dass Nutzer immer sehen bzw. wissen, was der KI-Agent macht.

Der Fokus der derzeitigen Ausbaustufe liegt auf Assistenz- und Selbsthilfefunktionen im Bereich energiewirtschaftlicher Fachfragen von Fehlermeldungen bis hin zu regulatorischen Anforderungen. In der Weiterentwicklung soll GY:PT nicht nur Hinweise geben, sondern aktiv vorbereiten und bei wiederkehrenden Entscheidungen kontextbezogen unterstützen.